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24 Kolosse, alle per Schiff

Joachim Kraus
Joachim Kraus

Weserumschlagstelle: Firma Richter verdoppelt 2009 den Güterumschlag

V O N    H E L M U T     K R I S C H M A N N

HANN. MÜNDEN. Die Weserumschlagstelle in Hann. Münden mausert sich zu einem kleinen Hafen. Dafür werden die Schwergewichte der Firma Richter Maschinenfabrik AG aus Hessisch Lichtenau sorgen. Das Unternehmen, kündigte Prokurist Joachim Kraus im Gespräch mit unserer Zeitung an, wird in diesem Jahr 24 tonnenschwere Maschinenteile mit Schiffen von der Weserumschlagstelle transportieren. Das heißt, sowohl verladen als auch entladen. Das ist doppelt soviel wie im vorigen Jahr, da ließen die Lichtenauer etwa zwölf Teile auf der Weser zu den Zielhäfen transportieren.

Kraus machte deutlich, dass der Schiffstransport von Hann. Münden die Existenz des 247 Mitarbeiter zählenden Unternehmens sichere. Ohne diesen Wasserweg hätte die Firma Richter keine Chance, die in ihrem Werk gefertigten stählernen Kolosse auf der Straße zu den Kunden zu bringen. Noch eine wichtige Neuerung, die zu einem sparsameren Umgang mit Wasser aus der Edertalsperre führt, wird es dieses Jahr geben: Die Firma Richter wird nach Kraus’ Worten bei Reedereien Schubleichter mit einem Schubschiff hintendran für den Transport chartern.

Diese flachgehenden Schiffe hätten bei einer Beladung von bis zu 300 Tonnen lediglich 1,10 Meter Tiefgang, erläutert Joachim Kraus. Damit werde das am Pegel Hann. Münden geforderte Minimum von 1,20 Meter Wassertiefe auf jeden Fall eingehalten. Eine Zugabe von Edersee-Wasser werde – wenn überhaupt – nur in geringem Umfang nötig sein.

Bei einem Gewicht der Teile von bis zu 200 Tonnen habe das Schiff sogar nur einen Tiefgang von einem Meter.

Betrieb an der Weserumschlagstelle
Betrieb an der Weserumschlagstelle: Ein Bild wie dieses wird es bald öfter geben. Die Firma Richter will 24 tonnenschwere Teile aus ihrer Produktion von Hann. Münden aus auf der Weser transportieren.
Archivfotos: Krischmann


Im Gespräch mit der Stadt

Außerdem ist die Geschäftsleitung des expandierenden mittelständischen Unternehmens aus dem Werra- Meißner-Kreis mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Hann. Münden im Gespräch, den Güterumschlag dauerhaft zu ermöglichen. Das bestätigte Hann. Mündens Bürgermeister Klaus Burhenne. Die Firma Richter habe den Anstoß gegeben. Die städtische Wirtschaftsförderung und das Unternehmen seien gemeinsam auf dem Weg, an der Weserumschlagstelle einen dauerhaften Umschlag zu sichern.

Hintergrund für die Überlegungen der Firma Richter: Für jeden Transport schwere Autokräne zu mieten, komme auf die Dauer zu teuer. Die Stadt Hann. Münden mit Bürgermeister Burhenne an der Spitze und das Wasser- und Schiffahrtsamt in Hann. Münden hätten die Aktivitäten der Firma Richter sehr gut unterstützt, sagte der Prokurist. Die Stadt beispielsweise dadurch, dass das Unternehmen kostenlos die Weserumschlagstelle habe nutzen können. Im Gegenzug hatte die Firma Richter rund 250 000 Euro investiert, um die Weserumschlagstelle so herzurichten, dass die tonnenschweren Produktionsteile überhaupt verladen werden konnten. Die Bodenplatte war mit schnell härtendem Beton ausgegossen, die Kaimauer hergerichtet und die Straße vom Weserpark her ausgebaut worden.

Quelle: HNA Münden, Helmut Krischmann
Fotos: HNA, Krischmann


Gute Aussicht für mehr Wasser

Interessengemeinschaft Oberweser erreichte Zusage des Bundesverkehrsministeriums

HANN. MÜNDEN/HOLZMINDEN. Die Reise nach Berlin hat sich für Mitglieder der Interessengemeinschaft Oberweser (IG) gelohnt. Von Karin Roth, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, erhielten die Lobbyisten des Oberweserraums die Zusage, der Bund werde bei positivem Ergebnis eines Gutachtens die Gewässersituation in der Oberweser verbessern. Konkret, erläuterte der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Oberweser, Dr. Rolf Foellmer (Holzminden), geht es um teils noch vorhandene Bunen in der Weser. Das sind in den Fluss hineinragende Dammkörper, an denen aber der Zahn der Zeit genagt hat.

Höherer Wasserstand

Kommen die Gutachter des Bundesamtes für Gewässerkunde zum Ergebnis, dass sich die Jahrzehnte alten Bunen erneuern lassen, wäre der Bund bereit, die nötigen wasserbaulichen Arbeiten zu bezahlen. Mit dem Ergebnis, dass der Pegel in der Oberweser bis Hameln um 15 bis 20 Zentimeter ansteigen und die Fließgeschwindigkeit des Wassers gedrosselt würde. Das hätte für die Schifffahrt, vor allem für die Frachtwirtschaft den Vorteil, dass bei Einsatz von Flachgängern wie sie Firma Richter in diesem Jahr plant, die Wassertiefe in der Oberweser ausreicht und damit keine Welle aus dem Edersee abgegeben werden müsste. Diese Zugabe von Wasser für die Schwertransporte der Firma Richter auf der Oberweser hatten voriges Jahr zu Protesten der Edersee- Anrainergemeinden geführt.

Mit der in Aussicht stehenden Lösung sind sowohl die Firma Richter, die der Interessengemeinschaft Oberweser angehört, als auch der Vöhler Bürgermeister Harald Plünnecke und sein Edertaler Amtskollege Wolfgang Gottschalck zufrieden. Hann. Mündens Bürgermeister Klaus Burhenne sagte, er verstehe das Interesse der Ederseeanrainer, dass so wenig wie möglich Wasser aus der Edertalsperre abgelassen wird. Allerdings sei die Weser eine Bundeswasserstraße und diese habe Vorrang. (kri)


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Augenblick mal

Auf dem Weg zum Hafen

Helmut Krischmann
Helmut Krischmann über die Weserumschlagstelle

Die Wellen schlugen hoch im vorigen Jahr am Edersee, als das Wasser- und Schifffahrtsamt in Hann. Münden Ederseewasser abließ, damit die Frachtschiffe in Hann. Münden genügend Wasser unterm Kiel hatten. Die Wogen haben sich geglättet. Nicht von allein, sondern dadurch, dass alle Beteiligten aufeinander zugingen. Die Interessengemeinschaft Oberweser, der Politiker, Unternehmer, aber auch Privatpersonen angehören, hat im Bundesverkehrsministerium einiges erreicht. Wenn es durch wasserbauliche Maßnahmen klappt, die Bunen zu erneuern, sodass die Oberweser 15 bis 20 Zentimeter mehr Wasser führt, steht regelmäßigen Schiffstransporten von der Weserumschlagstelle nichts mehr im Weg. Das schafft für die Firma Richter Planungssicherheit und erhöht die Anziehungskraft der Weserumschlagstelle. Dies umso mehr, wenn es der Stadt in Zusammenarbeit mit der Firma Richter gelingt, die Voraussetzungen für einen dauerhaften Güterumschlag am Weserkai zu schaffen. Schließlich sind die Straßen verstopft. Deshalb ist es für Unternehmen auch aus Kostengründen interessant, den Transport ihrer Produkte über die Wasserstraße ins Kalkül zu ziehen.

Aktualisiert am 06.04.2010