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Kraftprotz hievt schwere Fracht aufs Schiff

Präzisionsarbeit am Anleger vor dem AKW Grohnde: Ein 240 Tonnen schweres Maschinenteil wird an Bord eines Binnenschiffes gehievt.
Präzisionsarbeit am Anleger vor dem AKW Grohnde: Ein 240 Tonnen schweres Maschinenteil wird an Bord eines Binnenschiffes gehievt.

Spektuakuläre Verlade-Aktion am Anleger vor dem Atomkraftwerk Grohnde / Ziel ist Sibirien

Hameln/Grohnde (ni.) 240 Tonnen hängen an den armdicken Strahtrossen des Schwerlastkranes. Mit äußerster Präzision wird der blau verpackte Koloss exakt über die Ladeluke der „Theresia“ gehievt und millimeterweise in den Schiffsbauch abgesenkt. Zwei Stunden dauert die spektakuläre Aktion am Anleger vor dem Grohnder Kernkraftwerk, der gestern zum Schauplatz eines außergewöhnlichen Transportunterfangens wurde: die Verladung des Bauteiles einer Stahlpresse von einem Pontonfloß auf ein Binnenschiff.

Von der Richter Maschinenfabrik in Hessisch Lichtenau aus ging das Ungetüm auf seine mehrere tausend Kilometer lange Reise Richtung Sibirien, wo mit Hilfe der in mehreren Einzelteilen gelieferten Stahlpresse künftig Rohre für Erdgasleitungen hergestellt werden sollen. Die erste Etappe bis nach Hannoversch-Münden legte der Koloss auf einem Schwerlasttransporter mit 24 Achsen zurück. Dann wurde er auf ein Pontonboot verladen und von zwei Schubschiffen weserabwärts bis nach Grohnde transportiert. Dort wartete bereits  die Theresia mit Schiffseigner Hans Piotrowski und seiner Mannschaft an Bord auf die Übernahme der schwergewichtigen Fracht.

Die für den Transport verantwortliche Spedition Dako Worldwide Transport GmbH hatte den Anleger vor dem AKW als geeigneten Standort für die Verladeaktion ausgemacht, weil hier – ein Relikt aus Zeiten des Kraftwerkbaues – noch die Betonfundamente vorhanden waren, die ein Schwerlastkran als soliden Unterbau benötigt. „Diese Vorrichtung konnten wir für den Aufbau unseres Kranes nutzen“, so Erich Bollerbeck. Bollerbeck  führte als Mitarbeiter des auf die Montage von Schwermaschinen spezialisierten Unternehmens Felbermayr nicht nur Regie bei der Aufstellung des Kraftprotzes und dessen Einsatz gestern Vormittag, sondern reist auch den verfrachteten Maschinenteilen später bis nach Sibirien hinterher, um die dort eingetroffenen Teile am Ende ihrer langen Reise zu einer funktionierenden Stahlpresse zusammenzufügen.
Bevor die Theresia mit ihrer tonnenschweren Ladung in Grohnde ablegt, geht Reiner Kleine als Lotse an Bord des Frachtschiffes. Bis nach Minden übernimmt der Binnenschiffer mit jahrzehntelanger Weser-Erfahrung das Kommando am Ruderstand. Kapitän Hans Piotrowski, der in Düsseldorf-Ruhrort seinen Heimathafen hat, muss sich Kleines Anweisungen fügen, weil er selbst kein „Oberweser-Patent“ besitzt. Ab Minden und bis zum Zielhafen Rotterdam ist Piotrowski dann wieder Herr auf seinem eigenen Pott.

Gestern Nachmittag passierte die Theresia die Hamelner Schleuse und machte anschließend an der Kaimauer fest. „Bis Minden schaffen wir es nicht mehr vor der Dunkelheit“, erklärt Kleine die verlängerte Pause. Erst heute Vormittag, nachdem sich die Morgennebel gelichtet haben, soll die Fahrt mit Kurs auf Rotterdam weitergehen.

Quelle: Bericht vom 09.10.2007 aus der Deister- und Weserzeitung Hameln, Fotos: Dana


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Der Koloss verschwindet im Schiffsbauch.
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Pause hinter der Hamelner Schleuse.
Aktualisiert am 18.08.2008