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Da strahlt die Weserumschlagstelle

Als Münden schlafen ging, erwachte
die alte Weserumschlagstelle
zu neuem Leben. Foto: HNA-Mündener Allgemeine
Als Münden schlafen ging, erwachte die alte Weserumschlagstelle.

Am späten Dienstag, in der Nacht vor der Wiedereinweihung (Bericht unten), tauchte der Kasseler Lichtkünstler Oliver Bienkowski (26) den Frachter Paloma in strahlend blaues Licht und schoss dazu weiße Lichtbündel in den dunklen Himmel. Mit Laser und Lichtkanone gelang so eine zauberhafte Performance. Bienkowski arbeitete im Auftrag des Maschinenbauers Richter, der das Video von der Aktion in moderne Unternehmenspräsentation integriert. Er hat bereits in zahlreichen Städten spektakuläre Lasershows und Gebäudeilluminationen inszeniert, so am Brandenburger Tor in Berlin.

(asc) Foto: HNA-Mündener Allgemeine


Ein historischer Kraftakt

Zwei Kräne heben das 166 Tonnen schwere Gussteil - das ist das Gewicht von vier Leopard-
Panzern - nach oben. Dort wird es auf den Lkw an der B 80 verladen. Fotos: Krischmann
Am Haken: Zwei Kräne heben das 166 Tonnen schwere Gussteil - das ist das Gewicht von vier Leopard-Panzern - nach oben. Dort wird es auf den Lkw an der B 80 verladen. Fotos: Krischmann

An der Weserumschlagstelle lud die Firma Richter ihre erste Fracht vom Schiff um.

V O N      H E L M U T      K R I S C H M A N N

HANN. MÜNDEN. Um Punkt 11.37 Uhr schlug die große Stunde der Weserumschlagstelle. Das Schiffshorn des Frachtschiffs Paloma ertönt. Das ist der Startschuss für das Verladen eines 166 Tonnen schweren Gussteils, das für den Bau einer Schmiedepresse bestimmt ist. Zielort: Firma Richter Maschinenbau AG in Hess. Lichtenau. Der weltweit tätige Produzent schwerer Maschinenteile hat mit seiner Investition von 250 000 Euro den alten Weserhafen wiederbelebt. Anfang der 70er Jahre hielt dort der letzte Transportkahn.

Während Gäste aus Politik und Wirtschaft an Bord der MS Europa die Flussmitte ansteuern, um die Aktion aus nächster Nähe zu erleben, heben die beiden Kräne der Firma Breuer & Wasel aus Bergheim bei Köln das Gussteil an. Ganz sachte. Zwei Kräne in Aktion Zwei Kräne mussten es sein, erläutert ein Mitarbeiter der Kranfirma. Einer allein hätte es nicht geschafft, den in England hergestellten Koloss über die 17 Meter hohe Mauer zu heben. Oberhalb der Umschlagstelle auf dem Standstreifen der Bundesstraße 80 wartet ein Schwerlaster der Firma Max Goll aus Düsseldorf auf die Ladung. Die Kräne haben das Teil am Haken und drehen die Ausleger in Richtung Kaimauer. Zentimeter für Zentimeter geht es nach oben. Kurz nach zwölf Uhr ist es geschafft, das grau gestrichene Maschinenteil schwebt über dem Geländer. Zwei Fachleute der Kranfirma geben den beiden Kranführern per Funk Anweisungen. Langsam senkt sich das Teil auf den über 30 Meter langen Auflieger. Das genaue Positionieren ist dann nochmal eine Sache für sich. Im ersten Anlauf klappt es nicht, eine Seite ist noch zu wacklig. Im zweiten Anlauf aber sitzt die schwere Fracht. Es werden weitere Transporte folgen, das versicherte Axel Richter, Chef des Unternehmens mit 200 Beschäftigten. Der Unternehmer betonte, schwere Maschinenteile auf dem Wasserweg zu befördern, sei für Richter logistisch absolut notwendig: „Auf der Straße läuft nichts mehr“. Axel Richter lobte die Stadtverwaltung von Hann. Münden sowie das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Hann. Münden für die schnelle, unbürokratische Hilfe. Binnen weniger Wochen sei die Baugenehmigung für das Erneuern der Umschlagstelle auf dem Tisch gewesen. Das WSA habe ebenso das Vorhaben vorangetrieben. Ein Stück Zukunft Bürgermeister Klaus Burhenne sagte, die Wiedergeburt des alten Weserhafens sei für Münden bedeutend. Es sei in Stück Zukunft. Er ermunterte Unternehmer, dem Beispiel der Firma Richter zu folgen und mit Jörg Hartung von der Wirtschaftsförderung über Schiffstransporte zu reden. Vom niedersächsischen Wirtschaftsministerium, so Burhenne, habe die Stadt die Zusage für einen Zuschuss. Das Land sei bereit, der Stadt zu helfen, die Umschlagstelle weiter instandzusetzen.

 


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Weserhafen

Wenn Sie mich fragen ...  

... beginnt für Münden ein neues Kapitel der Frachtschifffahrt.

Helmut Krischmann

Aus der Not macht die Firma Richter aus Hess. Lichtenau eine Tugend. Mit unternehmerischer Weitsicht hat sich der Produzent schwerer Maschinenteile die Weserumschlagstelle als Hafen für seine Transporte ausgesucht. Nicht nur, dass die Firma auf dem Wasser weit weniger Hindernisse überwinden muss als auf den vollgestopften Straßen. Der Schiffstransport ist für die Firma langfristig sogar kostengünstiger als der Weg über die Straße.

Die Nordhessen haben damit das Signal gegeben, einem maroden alten Hafen neues Leben einzuhauchen. Auch für Mündener Firmen ist ein funktionstüchtiger kleiner Binnenhafen eine interessante Perspektive, Waren umweltschonender als auf der Straße zu befördern. Noch ist es ein Stück Arbeit bis dahin. Aber der Anfang ist gemacht. kri@hna.de

Die Geschichte des Weserhafens

Bürgermeister Klaus Burhenne gab einen kurzen Abriss der Geschichte der Umschlagstelle: 1905 wurde sie gebaut, bis in die 30er Jahre stieg die Tonnage von 90 000 Tonnen auf 220 000 Tonnen. Die Schiffe beförderten Schüttgut, etwa Kali nach Bremerhaven. Anfang der 70er Jahre war mit der Binnenschiffahrt Schluss. In den 80er und 90er Jahren nutzten die Pioniersoldaten der Bundeswehr noch die Umschlagstelle.

(kri) Archivfoto: Schröter

TRANSPORTWEG

Die Reise des Gussteils

Die tonnenschwere Fracht kam aus England mit dem Schiff und wurde im Cuxhavener Hafen zwischengelagert. Am Montag, 16. Juni, fuhr die Paloma in Cuxhaven los und war am vorigen Samstagmorgen in Hann. Münden. Wegen starker Strömung auf der Oberweser kam das Schiff streckenweise nur langsam voran. Im August, wenn das Gussteil bei Richter bearbeitet worden ist, geht die Fracht auf eine lange Reise. Von Hann. Münden aus geht es auf der Weser nach Bremerhaven und von dort auf dem Schiffsweg in die USA. Für den Schiffstransport wurden 15 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Edersee abgelassen. Die Zugabe ist nötig, damit die Oberweser beschiffbar ist. (kri)

Aktualisiert am 26.08.2009