
Vorbei an der Weserpromenade:
Mit einem lauten Tuten passierte die -Marwi- Minden, die Geburtsstadt ihres Eigners Christian Niemann.
MT-Foto: Langenkämper
Christian Niemanns "Marwi" bringt
150-Tonnen-Maschinenteil von Hann. Münden nach Belgien
VON JÜRGEN LANGENKÄMPER
Minden (mt). 1615 Tonnen Ladekapazität hat die "Marwi".
Damit war das Europaschiff das größte Wasserfahrzeug, das jemals in
Hann. Münden anlegte. Am Dienstagnachmittag passierte es Minden auf
dem Weg nach Belgien.
Drei Tage dauerte die Fahrt zu Berg. Auf der Brücke stand Lotse
Heinz Guicking aus der Drei-Flüsse-Stadt. Denn um auf der
kurvenreichen Oberweser mit ihren oft niedrigen Wasserständen
fahren zu dürfen, benötigen Kapitäne ein entsprechendes Patent -
und das besitzen immer weniger. Denn der Schiffsverkehr zwischen
der aufgestauten Mittelweser und dem Zusammenfluss von Fulda und
Werra ist selten geworden.
Dass noch regelmäßig Frachtschiffe fahren - allein im
vergangenen Jahr rund 20 Touren -, ist auch der Maschinenbaufirma
Richter in Hessisch Lichtenau zu verdanken. Bereits vor einer Woche
fuhr ein Motor-Binnenschiff in ihrem Auftrag zu Tal. Jetzt bringt
die "Marwi" ein 150 Tonnen schweres Maschinenteil nach Geel in
Belgien. "Am 2. Februar wollen wir dort sein", sagte Schiffseigner
Christian Niemann, der 1976 im Mindener Klinikum geboren wurde und
in Windheim an der Weser aufwuchs.
Den Zuschlag für den Transport erhielt Niemann, weil sein 82
Meter langes Schiff gut einen Meter breitere Ladenluken als die
meisten anderen Europaschiffe vorweist und so besser das sieben
Meter breite und neun Meter lange Maschinenteil aufnehmen konnte.
"Ein Transport über Straßen nach Belgien wäre wegen der
erforderlichen Sondergenehmigungen mit Absperrungen, Abbau von
Schildern und Fällen von Bäumen viel teurer", ist der Spross einer
Schifferfamilie überzeugt. Vom ökologischen Nutzen und geringeren
Treibstoffverbrauch mal ganz abgesehen.
Damit die "Marwi", so benannt nach dem Schiff von Niemanns
Großvater, starten und 14 Kilometer pro Stunde zurücklegen konnte,
musste das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Hann. Münden noch
etwas Wasser aus dem Edersee zugeben. "Wegen des Frosts hatte der
Weserpegel nach dem Tauwetter der Vortage wieder zu fallen
begonnen", sagte WSA-Gewässerkundler Jiri Cemus.
Bis Hameln begleitete Lotse Guicking Kapitän Niemann auf der
Brücke. Am zweiten Tag kam Fritz Insinger aus Leteln an Bord.
Mit einem lauten Tuten passierte die "Marwi" die Geburtsstadt
ihres Kapitäns kurz nach 14 Uhr, gerade noch rechtzeitig, um im
Abstiegshafen den Lotsen von Bord gehen zu lassen und in der
Schachtschleuse in den Mittellandkanal hochgeschleust zu werden.
Denn noch zuvor hatte Christian Niemann gehört, dass wegen des
Frosts Schiffe über 80 Metern Länge nicht mehr geschleust werden
sollte. Und tatsächlich wurde das Schleusen im Laufe des späteren
Nachmittags vorläufig eingestellt.
Nun hofft der Binnenschiffer auf dem Mittellandkanal zügig in
Richtung Westen voranzukommen und nicht vom Eis eingeschlossen zu
werden. Weitere Informationen zum Schiff im Internet unter:
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Tageblatt 2010