Startseite Richter Maschinenfabrik AGSeite Tonnenschwere Bauteile zu den Favoriten hinzufügenSeite weiter empfehlenSeite drucken

Tonnenschwere Bauteile

Richter Maschinenfabrik produziert Stahlteile für die Anlagenbauer

Mit spektakulären Schwertransporten machte die Richter Maschinenfabrik AG 2009/10 auf sich aufmerksam. Die Firma aus Hessisch Lichtenau, einer Kleinstadt östlich von Kassel, nahm den vergessenen Weserhafen in Hann. Münden wieder in Betrieb. Um die dort verladenen Stahlteile zu transportieren, musste die Autobahn 7 gesperrt werden. „In Deutschland gibt es keine fünf Firmen, die so große Stahlteile bearbeiten können wie wir“, sagt Vorstand Axel Richter.

Bis zu 300 Tonnen wiegen die Teile. Zum Teil sind sie acht Meter hoch und acht Meter breit. Mit der mechanischen Bearbeitung von Großteilen begann das 1945 gegründete Unternehmen Mitte der 80er Jahre. 1990 kam das Schweißen dazu. Seit 1992 ist Richter ausschließlich in diesem Bereich tätig. Damals gab die Firma den Bau von Stahlpaletten für die Automobilindustrie und die Bundeswehr auf. „Wir waren mal Europas größter Stahlpalettenbauer“, erzählt der Vorstand. Mit der Öffnung Osteuropas seien aber die Preise in den Keller gegangen. Die Nordhessen mussten sich neu erfinden.

Heute bekommt das Unternehmen Stahlbleche mit einer Stärke von drei Zentimetern bis zu einem Meter geliefert. Mit dem Schweißbrenner werden daraus Teile ausgeschnitten, die anschließend wie ein Puzzle zu den Großbauteilen zusammengesetzt werden. Die Schweißer der Firma sind in der Lage, bis zu einem Meter dicke Bleche zusammenzuschweißen. Arbeiter führen Dreh-, Fräs- und Bohrarbeiten, durch  - bis auf einen Hundertstel Millimeter genau. Richter grundiert und lackiert die fertigen Teile.

Die 500 Kunden des Unternehmens sind zu 90 Prozent deutsche Maschinen- und Anlagenbauer. „Sie beliefern ganz unterschiedliche Branchen“, berichtet Prokurist und Vertriebsleiter Joachim Kraus (siehe Kasten). Das habe der Firma geholfen, die Wirtschaftskrise vergleichsweise glimpflich zu überstehen  - obwohl die Zahlen dem auf den ersten Blick zu widersprechen schienen.

2007 machte die Firma 30 Mio. Euro Umsatz. Im Boomjahr 2008 schoss der Umsatz in die Höhe  - auf 40 Mio. Euro. „Das war nur noch Hektik“, meint Vorstand Richter. Im vergangenen Jahr sackte der Umsatz dann auf 32 Mio. Euro ab. „Diese Ausschläge haben auch mit dem explodierenden Materialpreisen in 2008 und dem anschließenden Einbruch 2009 zu tun“, erläutert Richter. 50 Prozent der Kosten an einem Teil entfielen aufs Material. „Trotz des Umsatzrückgangs war 2009 für uns ein sauberes Jahr“, betont der Vorstand. Seine Firma sei nicht in die roten Zahlen gerutscht. 2010 will er den Umsatz halten.

Neue Brennmaschine

Das Unternehmen nutzte das vergangene Jahr um 1,5 Mio. Euro zu investieren. „Wir haben unter anderem eine neue Brennmaschine angeschafft, die 20 Meter lange und 30 Zentimeter dicke Bleche zerschneiden kann“, erläutert Richter. Außerdem sei eine sensorgesteuerte Roboterschweißanlage für ebenfalls 20 Meter lange Teile dazugekommen. „Am Anfang traute sich kein Schweißer dran“, erzählt der Vorstand. Er fragte daraufhin, wer von den Männern zuhause mit einer Playstation spiele. Wer sich meldete, musste zum Lehrgang. „In der Hektik des Jahres 2008 hätten wir für so etwas keine Luft gehabt“, ergänzt Prokurist Kraus.

Die Maschinenfabrik bildet nicht selbst aus. „Die jungen Männer gehen hinterher zur Bundeswehr oder wechseln zu VW“, schimpft Richter. Er stellt ausgebildete Zerspaner ein, die bereits über Berufserfahrung verfügen. „Bis sie mit den Großteilen klar kommen, brauchen sie ein, zwei Jahre Einarbeitung“, sagt er.

Gearbeitet wird in der Industriestraße 30, wo das Unternehmen seit 1970 ansässig ist, in drei Schichten an sieben Tagen die Woche. Die Wochenarbeitszeit der Beschäftigten liegt bei 35 Stunden. Von einer Ausweitung hält Axel Richter nichts. „Meine 200 Mitarbeiter, alles qualifizierte Leute, sind mein Kapital“, stellt der Firmenchef klar. Da wolle er nicht sparen.

Quelle: Göttinger Tageblatt
Ausgabe 2010-05-28


Bagger, Turbinen, Getriebehäuser

1000 Tonnen wiegt der größte Bagger der Welt, der Terex RH 400. Mehr als die Hälfte, rund 550 Tonnen, bringen dabei die Teile auf die Waage, die die Richter Maschinenfabrik AG für das Gefährt produziert. Der Hydraulikbagger kommt im Bergbau zum Einsatz. „Im Januar 2009 stoppte das Geschäft abrupt“, erinnert sich Prokurist und Vertriebsleiter Joachim Kraus.

Überall wurden angesichts der Wirtschaftskrise Aufträge auf Eis gelegt. Erst im Oktober kamen wieder die ersten Aufträge – allerdings nur für Teile von kleineren Baggern. Im März 2010 wurde dann auch der Terex RH 400 wieder nachgefragt. „Die Konjunktur zieht an“, meint Vorstand Axel Richter.

Das Unternehmen aus Hessisch Lichtenau fertigt auch für den Gas- und Dampfturbinenbau. Es hat die 78 Meter langen Weichen für die Transrapidstrecke in Schanghai hergestellt. „So eine Weiche setzt sich aus drei jeweils 26 Meter langen Teilen zusammen“, erläutert Vertriebsleiter Kraus. Eine rege Nachfrage gibt es nach Bohrköpfen für Tunnelfräsanlagen. „Die Regierungen investieren in der Krise in ihre Infrastruktur“, kommentiert Vorstand Richter. Sein Unternehmen produziert außerdem für den Bau von Schmieden, Walzwerken und Pressen. Es stellt Flügel für den Airbus her.

Gute Geschäfte verspricht sich die Maschinenfabrik von der Windenergie. Richter stellt die Getriebegehäuse für Offshore-Windräder her, die eine Leistung von fünf Megawatt haben. Bereits 2005 lief die Produktion an. Die erwarteten hohen Stückzahlen blieben jedoch aus.

„Die Genehmigungsverfahren haben sich lange hingezogen“, weiß Vorstand Richter. Zum Teil hätte es auch Probleme mit Montageschiffen gegeben. Schließlich habe die Wirtschaftskrise Finanzierungen einzelner Projekte platzen lassen. „Dieses Jahr kommt allerdings Fluss in die Sache“, meint Vertriebsleiter Joachim Kraus. Er hoffe, dass so viele Aufträge eingehen, dass sie ab Ende des Jahres jede Woche ein Gehäuse fertigen könnten.

Quelle: mic - Göttinger Tageblatt
Ausgabe 2010-05-28


Nach oben

Download

2010-05-28 Göttinger Tageblatt

PDF Dokument hier herunterladen
          Größe: 0,8 MB

Bildeindrücke

Nicht leicht zu bewegen: Bis zu 300 Tonnen wiegen die Richter-Stahlteile. Foto: CASPAR
Neue Roboterschweißanlage: Einweisung. Foto: CASPAR
Am Beginn der Fertigung: Zuschnitt eines Stahlblechs. Foto: CASPAR
Aktualisiert am 31.05.2010